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Ein fiktives Gespräch zwischen Kant und Pieper: Über Pflicht, Nachhaltigkeit und das Gute

Wir fordern nachhaltiges Wirtschaften – aber warum eigentlich? Und auf welcher Grundlage?
Eines meiner grundlegenden Themen ist ja: Warum machen wir eigentlich die Dinge, die wir tun? Oder: Warum passieren immer wieder Dinge, die wir alle eigentlich nicht wollen? Ich denke, dass wir viel zu selten über unsere grundlegenden Überzeugungen und Antriebe sprechen und uns deshalb auch nicht wundern müssen, wenn wir weder Verständigung, noch sinnvolle Handlungen auf die Reihe bekommen.

In der Unternehmenspraxis stehen wir ja auch ständig vor Fragen wie:
Warum sollten wir fair oder ökologisch handeln, wenn es kurzfristig Verluste bringt?
Aber nun die Frage: Zählt allein die Wirkung – oder auch die Motivation dahinter? Oder ist es am Ende wurscht – Hauptsache das Richtige passiert?

Oder:
Ist „Pflicht“ in der Wirtschaft überhaupt noch vermittelbar?
Oder braucht es einen tieferen Sinn, der über Kennzahlen hinausgeht?

Ich habe mal in dem Artikel einen fiktiven Dialog zweier große Denker als Hintergrund genommen – wovon einer einer meine Lieblinge ist – Wer rät welcher?

Immanuel Kant oder Josef Pieper? Sie diskutieren über Pflicht, Tugend, das gute und Sinn.

Was würden sie Führungskräften und Unternehmer:innen heute sagen? Und warum spielt das eine Rolle?

Ort: Eine Bibliothek außerhalb von Raum und Zeit. Zeit: Irgendwann zwischen Aufklärung und Nachkriegsmoderne. Szene: Zwei Philosophen sitzen einander gegenüber. Zwischen ihnen liegt ein Zeitungsartikel:

„Konzern verzichtet auf Rendite zugunsten ökologischer Standards – freiwillig.“

Kant (setzt seine Brille ab)

„Ein erfreuliches Beispiel. Der Unternehmer hat offenbar aus Pflicht gehandelt. Nicht wegen Gewinn, nicht aus Sympathie. Sondern weil es richtig war.“

Pieper (leicht schmunzelnd)

„Aber würden Sie nicht zustimmen, Herr Kant, dass ein solches Handeln nicht nur formal korrekt, sondern auch gut im vollen Sinne des Wortes sein sollte? Aus der Einsicht, dass der Mensch zur Gerechtigkeit berufen ist – nicht bloß zur Gesetzestreue?“

Kant (nickt, aber bleibt fest)

„Das Gute liegt in der Form: dass der Wille sich so bestimmt, dass seine Maxime ein allgemeines Gesetz sein kann. Würde jeder Unternehmer Umweltstandards ignorieren, wäre bald keine Geschäftsgrundlage mehr übrig.“

Pieper

„Sie argumentieren vom Gesetz her. Ich vom Ziel. Der Mensch will nicht nur richtig handeln – sondern gut leben. Nachhaltigkeit ist nicht bloß Pflicht, sondern Teil einer Ordnung des Guten. Sie erinnern sich an Thomas von Aquin: Bonum est diffusivum sui – das Gute teilt sich mit.“

Stille. Eine junge Stimme fragt von irgendwo im Raum:

„Aber was, wenn mich das Gute ruinieren würde? Wenn ich wegen meines Gewissens scheitere?“

Kant (klar und ruhig)

„Moralisches Handeln misst sich nicht an seinem Ausgang. Es ist nicht gut wegen der Wirkung, sondern weil es dem Gesetz der Vernunft gehorcht. Wer so handelt, handelt frei – auch im Untergang.“

Pieper (leise)

„Und doch ist das Gute mehr als Gesetz. Es ist etwas, das den Menschen erfüllt. Wer nachhaltig handelt, tut nicht nur seine Pflicht – er antwortet auf einen Sinn. Auf ein logos – sei es als Schöpfungsverantwortung, soziale Gerechtigkeit oder Achtung vor dem Lebendigen.“


Kant blickt nachdenklich auf das Zeitungspapier. Pieper nimmt ein Buch zur Hand.

Kant (nach einer Pause)

„Ich habe Gott nur als Postulat der praktischen Vernunft eingeführt. Weil Moral Sinn braucht – über das Sichtbare hinaus. Ich frage mich, ob ich damit nicht doch mehr gesagt habe, als ich zugeben wollte.“

Pieper (lächelt, aber ernst)

„Vielleicht, Immanuel. Vielleicht ist es gerade die Pflicht, die den Menschen zum Guten hinführt – das größer ist als er selbst. Und vielleicht ahnt selbst ein pflichtgetreuer Unternehmer:

Ich tue das Richtige – weil es wahr ist. Und weil ich dadurch mehr Mensch werde.

Ein fiktives Gespräch zwischen Kant und Pieper: Über Pflicht, Nachhaltigkeit und das Gute

Ort: Eine Bibliothek außerhalb von Raum und Zeit. Zeit: Irgendwann zwischen Aufklärung und Nachkriegsmoderne. Szene: Zwei Philosophen sitzen einander gegenüber. Zwischen ihnen liegt ein Zeitungsartikel:

„Konzern verzichtet auf Rendite zugunsten ökologischer Standards – freiwillig.“

Nachwort: Pflicht oder Gutsein – zwei Wege zur Moral in der Wirtschaft

Der fiktive Dialog zwischen Immanuel Kant und Josef Pieper beleuchtet zwei sehr unterschiedliche Wege zu moralischem Handeln – beide rational, beide ernsthaft, beide relevant für die Wirtschaftsethik. Aber sie setzen an unterschiedlichen Stellen an – und führen möglicherweise zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Immanuel Kant: Moral aus Pflicht – unabhängig von Folgen

Kant vertritt eine deontologische Ethik:

  • Moral entsteht durch die Fähigkeit des Menschen, sich selbst ein Gesetz zu geben – das aber für alle gelten muss.
  • Der sogenannte kategorische Imperativ prüft, ob meine Handlungsregel („Maxime“) verallgemeinerbar ist. Wenn nicht – ist sie unmoralisch.
  • Entscheidend ist nicht der Zweck, nicht das Gefühl, nicht der Nutzen – sondern die reine Vernunft und die Absicht, aus Pflicht zu handeln.

Für Kant ist also nachhaltiges Wirtschaften nur dann moralisch, wenn es aus Achtung vor dem moralischen Gesetz geschieht – nicht, weil es mein Image verbessert oder dem Planeten hilft.

Beispiel: Ein Unternehmen reduziert CO₂ nicht aus Marketinggründen oder Kosteneffizienz, sondern weil es erkannt hat, dass es richtig ist, Verantwortung zu übernehmen – selbst wenn es Geld kostet.

Josef Pieper: Moral als Teilhabe am Guten

Pieper, als Vertreter der thomistischen Tugendethik, argumentiert ganz anders:

  • Moralisches Handeln ist gut, weil es dem Wesen des Menschen entspricht.
  • Der Mensch ist auf ein Ziel (telos) hin geschaffen – nämlich auf das Gute, das ihn erfüllt (klassisch: Glückseligkeit, eudaimonia).
  • Pflichten sind keine abstrakten Gesetze, sondern konkrete Ausdrucksformen einer objektiven Ordnung des Guten, die der Mensch durch Vernunft und Gewissen erkennt.

Für Pieper ist nachhaltiges Wirtschaften nicht nur moralisch, weil es dem Gesetz folgt, sondern weil es dem Menschen entspricht, gerecht, maßvoll, verantwortungsvoll zu handeln – also tugendhaft zu sein.

Beispiel: Ein Unternehmer setzt sich für faire Lieferketten ein, weil er erkennt: Das ist das Richtigeweil es der Gerechtigkeit dient, dem Menschen hilft, der Schöpfung entspricht und sich mit dem Guten verbindet, das ihn selbst erfüllt.

Worin stimmen beide überein?

  • Moral ist mehr als Nutzen, Markt oder Eigennutz.
  • Der Mensch ist fähig zur Einsicht, dass manches zu tun ist – auch wenn es wehtut.
  • Nachhaltigkeit ist nicht bloß Strategie, sondern moralischer Ernstfall.

Aber: Warum ist es nicht egal, welchem Ansatz man folgt?

Weil die Grundannahmen unterschiedlich sind – und das wirkt sich auf Motivation, Maßstäbe und Konsequenzen aus:

Artikelinhalte

Ein und dieselbe Handlung – z. B. auf kurzfristigen Gewinn zu verzichten, um CO₂ zu senken – kann also je nach ethischem Ansatz ganz anders verstanden, gewertet und begründet werden.

  • Wer Kant folgt, achtet auf Pflicht und Konsistenz.
  • Wer Pieper folgt, fragt nach dem Guten, das dem Menschen entspricht.

Beides kann zu Nachhaltigkeit führen – aber mit unterschiedlicher Tiefe, Motivation und Ausstrahlung.

Was meinen Sie?

  • Warum sollte ein Unternehmen nachhaltig handeln – auch wenn es wirtschaftlich nicht belohnt wird?
  • Ist es wichtiger, dass man „das Richtige“ tut – oder dass man „aus dem richtigen Grund“ handelt?
  • Was motiviert wirklich – Pflicht oder Sinn? Und ist das moralisch relevant?
  • Braucht Moral eine Idee vom Guten – oder reicht es, wenn sie rational konsistent ist?
  • Wem vertrauen wir mehr: Dem, der aus Gesetzestreue handelt, oder dem, der Gutes will?

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Nachhaltige Markenführung mit dem Scope-Modell: So gelingt die Umsetzung

Nachhaltigkeit ist längst kein reines Kommunikationsthema mehr. Marken, die heute überzeugen wollen, müssen mehr leisten als gut gemeinte Aussagen. Sie müssen Wirkung zeigen – intern, extern, gesellschaftlich. Genau hier setzt das Scope-Modell an, das mein Kollege Prof. Dr. Jan-Dirk Kemming und ich entwickelt haben.

Wir haben dieses Modell im Jahr 2024 in der St.Gallen Marketing Review publiziert. 

St.Gallen Marketing Review

In Teil 1 dieses Blogbeitrags habe ich den strategischen Rahmen vorgestellt: Vier Scopes, mit denen Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsleistung differenzieren, strukturieren und kommunizieren können. In diesem zweiten Teil zeige ich, wie Unternehmen das Modell konkret anwenden können – mit Blick auf Mitarbeiter:innen, Kunden, Digitalisierung und gesellschaftliche Wirkung.

Mitarbeitende befähigen: Nachhaltigkeit von innen denken

Nachhaltigkeit beginnt im Unternehmen – aber sie lebt erst durch die Menschen, die sie umsetzen. Der Scope 2 des Modells fragt deshalb: Wie aktivieren wir Mitarbeitende, Partner und Netzwerke für eine glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategie?

Die Realität zeigt: Noch fehlt vielen Beschäftigten der ganzheitliche Blick auf Nachhaltigkeit. Zwar steigt das Interesse – doch es braucht gezielte Befähigung, konkrete Aufgaben und Entscheidungsfreiräume, damit aus Haltung auch Handlung wird.

Besonders wichtig: Auch informelle Strukturen und Graswurzelinitiativen spielen eine Rolle. Sie machen deutlich, wie sehr kulturelle und kommunikative Dynamiken den Unterschied zwischen Papierstrategie und gelebter Praxis ausmachen.

Nachhaltigkeit an der Kundenschnittstelle: Empowerment mit Augenmaß

In Scope 3 rückt die Frage in den Mittelpunkt: Wie ermöglichen wir Konsument:innen, nachhaltig zu handeln?

Das reicht von Reparaturservices über Pflegehinweise bis zu digitalen Produktpässen und virtuellen Rückgabesystemen. Entscheidend ist aber auch: Kunden sind keine „Verbündeten per Vertrag“. Nicht jede Marke wird zum Lebenspartner. Umso wichtiger ist ein Kommunikationsstil, der ermutigt statt belehrt – konkret, transparent, unterstützend.

Ein inspirierendes Beispiel: Unternehmen wie Vaude setzen auf Second-Hand-Plattformen, Repair-Angebote und umfassende Materialtransparenz. Nicht als Greenwashing – sondern als echte Einladung zum Mitmachen.

Künstliche Intelligenz & Digitalisierung als Enabler

Ein unterschätzter Hebel für nachhaltige Markenführung ist die Twin Transformation: die Verknüpfung von Nachhaltigkeit mit digitalen Technologien. Vor allem Künstliche Intelligenz (KI) kann hier zum Enabler werden:

  • Analyse von ESG-Daten in Echtzeit (Scope 1)
  • Feedbacksysteme und adaptive Kommunikation für Mitarbeiter:innen (Scope 2)
  • Interaktive Produktberatung und Reparaturhilfen für Kund:innen (Scope 3)
  • Medienresonanzanalyse und Impact-Partner-Screening (Scope 4)

Entscheidend ist: KI darf nicht ersetzen, sondern soll unterstützen, verknüpfen und verständlich machen. Richtig eingesetzt, wird sie zur Brücke zwischen Nachhaltigkeit, Markenstrategie und gelebter Praxis.

Medienwandel & neue gesellschaftliche Rollen

Scope 4 erweitert den Blick: Welche Rolle spielt die Marke im gesellschaftlichen Diskurs?

In einer fragmentierten Medienlandschaft müssen Unternehmen lernen, ihre Narrative bewusst zu gestalten – glaubwürdig, reflektiert, anschlussfähig. Das bedeutet auch: Desinformation erkennen, Verantwortung übernehmen, partnerschaftlich mit NGOs, Medien und Kulturakteuren kooperieren.

Besonders wirksam: Impact-Sponsoring, Co-Creation mit Zivilgesellschaft und authentische Corporate Publishing-Formate. Wer hier agiert, wird vom Sender zum Teil des öffentlichen Diskurses.

Was Sie ab morgen tun können

Sie möchten anfangen? Dann empfehle ich fünf erste Schritte:

  1. Wirkungslandkarte erstellen: Welche Themen spielen in Scope 1–4 aktuell eine Rolle?
  2. Interdisziplinäres Team aufstellen: Integrieren Sie Kommunikation, HR, Nachhaltigkeit, Produktentwicklung.
  3. Wirkungslücken erkennen: Wo leisten Sie viel – aber kommunizieren zu wenig?
  4. Mit einem Scope starten: Kleine Pilotprojekte mit klarer Zielsetzung helfen beim Einstieg.
  5. Externe Resonanzpartner suchen: Forschung, NGOs oder Peer-Unternehmen bieten hilfreiches Feedback.

Fazit

Scope-basierte Markenführung ist kein Modebegriff. Sie ist ein Weg, um Komplexität zu strukturieren, Wirkung sichtbar zu machen – und Marken glaubwürdig, differenziert und zukunftsfähig zu führen.

Sie möchten das Modell in Ihrem Unternehmen anwenden?
Ich begleite Sie gerne mit einem maßgeschneiderten Beratungsangebot – strategisch, operativ, kommunikativ.

Jetzt mehr erfahren – Beratung zur nachhaltigen Markenführung

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Zwischen Effizienz und Verantwortung

KI-Serie teil 1 von 4

Die unterschätzte Macht ethischer KI-Governance

Künstliche Intelligenz gilt als einer der zentralen Treiber der digitalen Transformation. Ihre Einsatzmöglichkeiten reichen von der Prozessoptimierung über intelligente Assistenzsysteme bis hin zu weitreichender Automatisierung in Management, Produktion und Kundenservice. Unternehmen erhoffen sich von KI vor allem eines: Effizienz. Doch diese Effizienz hat eine zweite Seite – und die heißt Verantwortung. Denn mit jeder algorithmischen Entscheidung wächst auch die Frage: Wer trägt die ethische Last für das, was KI tut?

Dabei wird allzu häufig übersehen: Ethische KI ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für Vertrauen, Sicherheit und Legitimität. Und genau darum braucht es heute mehr denn je eine professionelle, strategisch verankerte KI-Governance, die ethische Aspekte nicht als „Soft Skills“, sondern als Managementaufgabe versteht.

Wenn Effizienz blind macht: Warum Ethik in der KI kein Nebenschauplatz ist

In der Praxis erleben wir zunehmend Systeme, die auf Basis komplexer Datenanalysen Entscheidungen treffen – etwa bei Bewerbungsverfahren, Kreditvergaben oder der Risikoeinschätzung im Gesundheitswesen. Was technisch funktioniert, kann jedoch sozial problematisch sein. Algorithmen, die auf verzerrten Daten lernen, führen zu systematischen Benachteiligungen. Und Systeme, deren Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind, untergraben die Grundlage jeder legitimen Autorität: Transparenz und Rechenschaft.

All das ist kein theoretisches Problem. Unternehmen, die sich blind auf Effizienzmetriken verlassen, laufen Gefahr, zentrale ethische Grundsätze zu verletzen – ob bewusst oder unbewusst. Doch das Risiko ist nicht nur moralisch, sondern handfest: Es reicht von Vertrauensverlusten über rechtliche Unsicherheiten bis hin zu handfesten Reputationsschäden.

Warum Governance der Schlüssel ist – und was sie leisten muss

Der Begriff „Governance“ wird oft mit Regulierung, Kontrolle oder Verwaltung assoziiert. In Wahrheit meint er etwas anderes: die Gestaltung und Steuerung komplexer Systeme unter klarer Verantwortung. Genau das ist im Kontext von KI entscheidend – denn hier geht es um mehr als nur Technik. Es geht um Fragen wie:

  • Wer trägt Verantwortung, wenn ein System Fehler macht?
  • Nach welchen Prinzipien wird entwickelt, getestet und eingesetzt?
  • Wie können Unternehmen sicherstellen, dass ihre Systeme fair, transparent und nachvollziehbar funktionieren?

Das Problem: In der Praxis fehlt es oft an konkreten Antworten. Laut einer Analyse des IEAI Accountability Framework fehlt es vielen Organisationen nicht an Willen, sondern an Werkzeugen. Ohne klare Rollenverteilungen, ethische Standards und überprüfbare Prozesse bleiben gute Absichten folgenlos.

Vom Wollen zum Können: Ethik operationalisieren

Genau hier setzt ein strukturierter Governance-Ansatz an. Statt Ethik nur zu proklamieren, braucht es Strategien, um sie umzusetzen. Das bedeutet: Verantwortlichkeiten definieren, ethische Prinzipien in den Entwicklungsprozess integrieren, transparente Entscheidungswege schaffen und kontinuierliche Überprüfung ermöglichen. Kurz: Ethik darf kein nachgelagerter Reflex sein, sondern muss von Anfang an mitgedacht werden – von der Strategie bis zum Rollout.

Ein gelungener Ansatz ist, wie im IEAI-Framework vorgeschlagen, eine risikobasierte Governance, bei der potenzielle ethische Konflikte frühzeitig erkannt und adressiert werden – abhängig vom Anwendungskontext, der Reichweite und den Auswirkungen eines Systems.

Ethik als Erfolgsfaktor – und nicht als Innovationsbremse

Viele Unternehmen fürchten, Ethik könne Innovation verlangsamen. Das Gegenteil ist der Fall. Eine klare ethische Ausrichtung:

  • stärkt das Vertrauen von Kund:innen, Partnern und Öffentlichkeit,
  • schafft Orientierung in einem sich dynamisch entwickelnden regulatorischen Umfeld,
  • und sichert langfristige Wettbewerbsfähigkeit in einer Zeit, in der Wertekommunikation und gesellschaftliche Verantwortung zentrale Bestandteile erfolgreicher Markenführung sind.

Wer Verantwortung übernimmt, stärkt nicht nur das eigene Unternehmen, sondern gestaltet aktiv die Zukunft der Digitalisierung mit – auf eine Weise, die technologische Innovation und gesellschaftliche Akzeptanz miteinander versöhnt.

KI-Governance ist mehr als eine technische Notwendigkeit. Sie ist Ausdruck unternehmerischer Verantwortung – und der Schlüssel, um das enorme Potenzial intelligenter Systeme in Einklang mit gesellschaftlichen Erwartungen zu bringen. Wer heute investiert, schafft nicht nur Sicherheit, sondern Zukunftsfähigkeit. Denn in einer Welt, in der Maschinen lernen, bleibt der Mensch verantwortlich. Dafür braucht es Klarheit, Mut – und eine Governance, die beides strukturiert ermöglicht.

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Nachhaltige Markenführung neu denken


Warum Marken mehr leisten müssen als Kommunikation

Nachhaltigkeit ist längst kein Nice-to-have mehr. Für viele Marken ist sie zur Pflichtaufgabe geworden – und zugleich zur größten Herausforderung: Konsument:innen fordern Orientierung. Regulierungsbehörden verlangen Transparenz. Und Investor:innen und Mitarbeitende erwarten nicht weniger als ein glaubwürdiges Bekenntnis zur Zukunftsfähigkeit.

Gleichzeitig aber zeigt sich in der Praxis ein widersprüchliches Bild: Es wird viel kommuniziert – von CO₂-Reduktion, Kreislaufwirtschaft, klimaneutralen Produkten oder sozialer Verantwortung. Doch was bedeutet das wirklich? Wie belastbar sind diese Aussagen? Und woran messen wir, ob eine Marke wirklich nachhaltig ist?

Gemeinsam mit meinem Kollegen Prof. Dr. Marc Kleinknecht habe ich genau hier angesetzt. In einem Beitrag für die Marketing Review St. Gallen haben wir ein Modell entwickelt, das nachhaltige Markenführung neu strukturiert – nicht entlang von Image oder Ästhetik, sondern entlang von Wirkung. Denn das ist unser zentrales Argument: Marken, die heute nachhaltig wirken wollen, brauchen mehr als gute Geschichten. Sie brauchen ein Konzept, das Handlung, Wirkung und Kommunikation sinnvoll verbindet.

Warum herkömmliche Ansätze nicht mehr ausreichen

Drei zentrale Herausforderungen bestimmen die aktuelle Situation:

Erstens: Nachhaltigkeitsleistung wird fast ausschließlich relativ bewertet – gegenüber dem Vorjahr, gegenüber dem Wettbewerb, gegenüber der eigenen Vergangenheit. Aber was heißt das im größeren Zusammenhang? Reicht es, 5 % CO₂ einzusparen, wenn das globale Ziel 1,5 Grad heißt? Wird eine Verpackung nachhaltig, nur weil sie aus recyceltem Kunststoff besteht? Ohne Kontext wird Nachhaltigkeit zur Rhetorik. Fortschritt zur Illusion.

Zweitens: In vielen Unternehmen agieren Nachhaltigkeit und Marketing in getrennten Welten. Hier die ESG-Expert:innen, die regulatorisch, risikoorientiert und strategisch denken. Dort die Markenverantwortlichen, die emotionalisieren, differenzieren und Zielgruppen erreichen wollen. Das Ergebnis: Kommunikationsbruch. Greenwashing-Risiko. Und verschenktes Potenzial.

Drittens: Es fehlt ein strategisches Rahmenmodell, das Markenführung im Nachhaltigkeitskontext wirklich integriert denkt. Viele Organisationen wollen Nachhaltigkeit glaubwürdig kommunizieren – wissen aber nicht, wie sie diese Leistung operationalisieren, strukturieren und sichtbar machen können.

Die Lösung: Das Scope-Modell nachhaltiger Markenführung

In unserer Arbeit schlagen wir daher ein neues Modell vor: Vier Wirkungsebenen (Scopes), inspiriert von der Logik des Greenhouse Gas Protocols, übertragen auf die Welt der Marken. Das Modell strukturiert nachhaltige Markenführung entlang realer Handlungsebenen – von der internen Substanz bis zur gesellschaftlichen Wirkung.

🔹 Scope 1 – Performance:

Hier geht es um das Fundament. Was tut das Unternehmen konkret? Welche Maßnahmen werden umgesetzt? Welche Emissionen reduziert? Welche Standards erfüllt? Ohne belastbare Nachhaltigkeitsleistung ist jede Kommunikation hohl.

🔹 Scope 2 – Co-Creation:

Nachhaltige Marken entstehen nicht im Alleingang. Sie sind das Ergebnis von Zusammenarbeit – mit Mitarbeitenden, Lieferanten, NGOs oder staatlichen Akteuren. Co-Creation heißt: Nachhaltigkeit wird gemeinsam gestaltet, nicht nur behauptet.

🔹 Scope 3 – Consumer Empowerment:

Was bewirkt die Marke beim Kunden? Fördert sie bewussten Konsum? Vermittelt sie Wissen? Erleichtert sie Reparatur, Rückgabe oder Recycling? Eine nachhaltige Marke befähigt – und wird so zur Partnerin auf dem Weg zu einem anderen Konsumverhalten.

🔹 Scope 4 – Enablement:

Scope 4 ist die weiteste Ebene: die gesellschaftliche. Hier zeigt sich, ob Marken über sich hinaus wirken. Ob sie Haltung zeigen, Narrative prägen, Diskurse anstoßen, Innovationen inspirieren. Wer hier sichtbar wird, übernimmt kulturelle Verantwortung.

Wirkung macht den Unterschied

Unser Modell hilft, Markenführung neu auszurichten – nicht gegen klassische Markenlogiken, sondern ergänzend. Es baut Brücken: zwischen Nachhaltigkeitsmanagement und Kommunikation, zwischen internem Anspruch und externer Glaubwürdigkeit, zwischen Wirkung und Erzählung. Vor allem aber hilft es dabei, die Sprache der Nachhaltigkeit und die Sprache der Marke miteinander zu verbinden – verständlich, überprüfbar, anschlussfähig.

Wer Markenführung heute ernst meint, muss Wirkung mitdenken. Und wer Nachhaltigkeit ernst meint, braucht Marken, die diesen Wandel sichtbar machen können – aber eben auf Basis einer überprüfbaren Substanz.

Sind Sie bereit für den nächsten Schritt?

• Haben Sie eine klare Vorstellung davon, welchen Beitrag Ihre Marke zur nachhaltigen Entwicklung leistet?

• Können Sie glaubhaft zeigen, dass Ihre Green Claims auch regulatorisch belastbar sind?

• Wissen Ihre Mitarbeitenden, wie Nachhaltigkeit Teil der Markenidentität ist?

• Haben Sie eine Markenstrategie, die mehr leistet als Differenzierung?

📩 Wenn nicht – oder nicht mit gutem Gefühl – lade ich Sie ein, mit mir ins Gespräch zu kommen. Ich berate Unternehmen, Organisationen und Agenturen auf Basis des Scope-Modells. Ob in Workshops, Strategieprozessen oder als Sparringpartner – gemeinsam machen wir Ihre Marke zukunftsfähig.

➡️ Mehr zum Beratungsangebot finden Sie hier.

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Breakwater Konferenz 2025

Es war mir eine besondere Freude, am 22.3.25 bei der #Breakwater Konferenz gemeinsam mit Youtuber Matthias A. Narr aka #biasedskeptic über das Thema „Orientierung in der Sinnkrise“ diskutieren zu dürfen.

Bei dem Treffen in Limburgerhof in der Pfalz gab es neben unseren Vorträgen und der Podiumsdiskussion auch sogenannte #Ästuar-Sessions.

Die Ästuar-Bewegung hat – inspiriert durch die Ideen von Denkern wie Paul Vander Klay, Jonathan Pageau, John Vervaeke ein Gesprächsformat entwickelt, das zuverlässig dafür sorgt, dass Menschen in kleinen Gruppen in offenen Gesprächen miteinander finden – sowohl über die alltäglichen als auch über die großen Fragen. Vom neusten Schwank aus der Nachbarschaft bis hin zu Themen wie der um sich greifenden Sinnkrise ist alles möglich.

Es war ein Tag voll bunter und spannender Begegnungen. Zentrales Thema meines Vortrages war die Bedeutung und Chancen des Glaubens in Zeiten der Unsicherheit und Sinnsuche. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Matthias hat in seinem tollen Vortrag für eine letztlich atheistische und rationalistische Sicht argumentiert. So unterschiedlich sich das anhören mag – aber wir haben sehr viele gemeinsame Schnittmengen gefunden.

Ähnlich war es bei den Ästuar-Sessions, wo Menschen mit extrem verschiedenen Hintergründen und Ansichten aufeinander getroffen sind und trotzdem tiefe und offene Gespräche möglich waren – was auch Mut macht für eine Zukunft, in der wir auch als Gesellschaft wieder lernen einander zuzuhören und zu akzeptieren.

Danke auch an das tolle Orgateam rund um Matthias Bergmann , Jan-Thomas Hulha & David Stutzmann

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Panel-Diskussion Sustainable Finance: Mensuram Bonam -Christliche Geldanlage

Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit sind scheinbar die Wörter der Stunde. Eine große Herausforderung für Sustainable & Ethical Finance.
So lautete diese Woche der Titel einer Veranstaltung der Pax-Bank eG und der Fondazione Centesimus Annus – Pro Pontifice – der päpstlichen Stiftung zur Förderung der katholischen Soziallehre: „Müssen oder dürfen? Verbindlichkeit contra Eigenverantwortung in der kirchlichen Geldanlage“.
Meine Mit-Panelisten waren Schwester Maria Schneiderhan (Ökonomin, Kloster Sießen, Ethik-Beirat der Pax-Bank), Claire Treinen (ISS ESG-Ratingagentur) Dr. Björn Borchers (Geschäftsführer, Verida Asset Management GmbH), Dr. Ulrich Schürenkrämer (Geschäftsführer, Machlaan GmbH, Mitgl. und ehem. Koordinator für Deutschland, Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice).


Anlass der Veranstaltung war die Buchpremiere der deutschen Übersetzung von „Mensuram Bonam“, eines 2022 veröffentlichten Leitfadens der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften für die Geldanlage im Lichte der Katholischen Soziallehre. Besonders erfreulich war es deshalb, dass S.Em. Peter Kardinal Turkson, höchstpersönlich als Kanzler der Pontifical Academy of Sciences in einer sehr sympathischen, größtenteils auf Deutsch gehaltenen, Keynote die Bedeutung von verantwortungsvoller Finanzethik verdeutlichte.

Unser Panel drehte sich um die komplexe Frage, wie kirchliche Institutionen ihre ethischen Investitionsentscheidungen wertebasiert treffen und dann auch glaubwürdig kommunizieren können – insbesondere in sensiblen Bereichen wie Rüstungsinvestitionen aber Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit.

📣 Key-Take-Aways:
✅ nachhaltige Finanzkommunikation darf nicht nur aus Verboten bestehen („Wir investieren nicht in X“), sondern vor allem Verantwortung und Alternativen aufzeigen sollte.
✅ klare Wertebasis und Kommunikation: Die Soziallehre der Kirche und Mensuram Bonam bieten eine belastbares Fundament für eine differenzierte Debatte und nachvollziehbare und stringente Entscheidungen.
✅ Narrativ der Verantwortung nutzen: Nicht nur „wozu man Nein sagt“ kommunizieren, sondern erklären, welche positiven Investitionen stattdessen getätigt werden – z. B. Krisenprävention statt Waffenexporte, erneuerbare Energien statt fossile Brennstoffe.
✅ Transparenz schafft Vertrauen: Studien zeigen, dass glaubwürdige Finanzkommunikation nur funktioniert, wenn Ausschlusskriterien klar definiert und mit positiven Impact-Strategien verbunden werden.
✅ Kirchliche Institutionen als Vorbilder: Mit ihrem globalen Einfluss können kirchliche Banken und Stiftungen ethische Standards setzen, die über den eigenen Bereich hinaus wirken.

🙏 Ein herzliches Dankeschön an die Pax-Bank: Klaus Schraudner, Jutta Hinrichs, Denise Manz sowie Kardinal Turkson, Klaus Gabriel für die Moderation sowie alle Mit-Diskutanten für diese inspirierende Debatte!

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Antiqua et Nova: Der Vatikan über KI, Wahrheit und ethische Verantwortung.

Der Vatikan hat am 28. Januar 2025 mit dem Dokument “Antiqua et Nova” ein wegweisendes Schreiben veröffentlicht, das sich mit den ethischen Herausforderungen und Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI) auseinandersetzt. Dieses umfassende Papier wurde vom Dikasterium für die Glaubenslehre und dem Dikasterium für Kultur und Bildung erarbeitet und beleuchtet sowohl die Risiken als auch die Chancen dieser sich schnell entwickelnden Technologie. Es ruft zu einer globalen, ethisch fundierten Regulierung auf, um sicherzustellen, dass KI dem Wohl der Menschheit dient.

Warum dieses Dokument wichtig ist

Künstliche Intelligenz verändert die Welt in rasantem Tempo. Technologien wie Chatbots, autonome Systeme und Deepfakes haben die Art und Weise, wie wir kommunizieren, arbeiten und leben, tiefgreifend verändert. Doch genau wie diese Fortschritte Chancen bieten, bergen sie auch erhebliche Risiken, die menschliche Würde, Wahrheit und gesellschaftliche Stabilität bedrohen können. “Antiqua et Nova” bietet eine fundierte Analyse und einen ethischen Rahmen, der sowohl für politische Entscheidungsträger als auch für Unternehmen und die Gesellschaft als Orientierung dienen kann.

Aufbau des Dokuments: Klare Struktur und Botschaften

Das Dokument umfasst mehrere zentrale Themenbereiche:

1. Einleitung: Warum ethische KI wichtig ist

“Technologie ist nicht neutral. Sie ist ein Spiegel der Werte, die wir in sie einbauen.” Mit diesem Grundsatz wird das Dokument eröffnet und hebt hervor, dass technologische Innovationen ohne ethische Leitplanken fatale Konsequenzen haben können.

2. Die Risiken der Künstlichen Intelligenz

Deepfakes: Die Manipulation von Informationen, die das Vertrauen in Wahrheit und Realität zerstören kann.

Autonome Waffensysteme: Diese könnten Leben auf beispiellose Weise bedrohen.

Arbeitsversklavung durch Automatisierung: Menschen könnten auf repetitive und entmenschlichende Tätigkeiten reduziert werden.

Soziale und psychologische Schäden: Negative Auswirkungen auf Kinder, zwischenmenschliche Beziehungen und die Grundlagen von Gesellschaften werden ebenfalls hervorgehoben.

3. Ethik und Verantwortung

Hier wird betont, dass KI-Systeme im Einklang mit der Menschenwürde und den Grundwerten der Kirche entwickelt und eingesetzt werden müssen. Das Dokument kritisiert eine Überbetonung von Effizienz und Profit auf Kosten der Menschlichkeit.

4. Forderungen an Regierungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft

• Regulierung und Transparenz: Staatliche Kontrollmechanismen müssen die Entwicklung und den Einsatz von KI überwachen.

• Bildung und Aufklärung: Gesellschaften müssen über die Risiken und Möglichkeiten von KI informiert werden.

• Förderung globaler Zusammenarbeit: Länder sollen zusammenarbeiten, um ethische Standards zu schaffen, die weltweit gelten.

5. Möglichkeiten von KI zum Wohl der Menschheit

Neben der Kritik sieht das Dokument auch die Potenziale von KI:

• Einsatz in der Medizin, Bildung und Armutsbekämpfung.

• Unterstützung von Nachhaltigkeitszielen, wie die Verbesserung von Ressourceneffizienz und Klimaschutz.

Forderungen des Dokuments: Was jetzt getan werden muss

Das Dokument richtet klare Forderungen an unterschiedliche Akteure:

1. An Regierungen

• Einführung von Gesetzen und Regularien, die sicherstellen, dass KI im Einklang mit ethischen Werten entwickelt wird.

• Verbot bestimmter Technologien, wie autonomer Waffensysteme, die gegen die Würde des Menschen verstoßen.

2. An Unternehmen

• Entwicklung von KI-Systemen, die Transparenz und Fairness gewährleisten.

• Verantwortungsvoller Umgang mit Daten und Schutz der Privatsphäre.

3. An die Gesellschaft

• Förderung eines kritischen Diskurses über KI.

• Aufklärung der Bevölkerung über die Chancen und Risiken von KI-Technologien.

Fazit: Eine Vision für eine ethische Zukunft mit KI

Antiqua et Nova ist ein eindringlicher Appell an die Menschheit, Künstliche Intelligenz mit Verantwortung und Weitsicht zu entwickeln. Das Dokument fordert nicht nur klare Regeln und ethische Leitlinien, sondern bietet auch eine positive Vision: KI kann ein Werkzeug für das Gemeinwohl sein, wenn sie richtig eingesetzt wird.

Der Vatikan lädt dazu ein, den Diskurs über KI auf eine breitere, globale Ebene zu bringen und sicherzustellen, dass technologische Innovationen immer im Dienst der Menschen stehen.

📄 Lesen Sie das vollständige Dokument hier: Antiqua et Nova

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Katholische Soziallehre Teil 4: Gemeinwohl – Unternehmen und ihre Verantwortung für die Gesellschaft


Wie Unternehmen zum Gemeinwohl beitragen und warum das für ihren Erfolg entscheidend ist

Das Prinzip des Gemeinwohls ist ein zentrales Element der katholischen Soziallehre. Es fordert, dass der Nutzen und das Wohlergehen der gesamten Gesellschaft im Mittelpunkt jeder Handlung stehen sollten. Aber wie können Unternehmen dieses Prinzip in ihren Alltag integrieren? In einer Welt, in der wirtschaftlicher Erfolg oft mit Wettbewerb und Eigeninteresse verbunden wird, zeigt das Gemeinwohl, dass ethisch verantwortliches Handeln langfristig zum Erfolg führen kann. In diesem Artikel wird erläutert, wie Unternehmen aktiv zum Gemeinwohl beitragen können und welche Vorteile dies für sie mit sich bringt.

Was bedeutet Gemeinwohl in der katholischen Soziallehre?

Das Gemeinwohl bezieht sich auf die Bedingungen, die es allen Mitgliedern einer Gesellschaft ermöglichen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die das Wohl der gesamten Gemeinschaft fördern und nicht nur individuelle Interessen. Laut Gaudium et Spes (1965), einem Schlüsseltext des Zweiten Vatikanischen Konzils, müssen sich alle wirtschaftlichen und politischen Handlungen am Gemeinwohl orientieren.

Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie nicht nur den Profit als oberstes Ziel verfolgen sollten, sondern auch ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft ernst nehmen müssen. Diese Verantwortung erstreckt sich auf Mitarbeiter, Kunden, Partner, die Umwelt und die Gesellschaft im Allgemeinen.

Wie können Unternehmen zum Gemeinwohl beitragen?

1. Nachhaltige Geschäftsmodelle

Unternehmen tragen eine immense Verantwortung für den Umweltschutz und die Bewahrung der natürlichen Ressourcen. Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema mehr, sondern eine Erwartung der Gesellschaft. Unternehmen können ihren Teil zum Gemeinwohl beitragen, indem sie umweltfreundliche Prozesse einführen, den CO2-Fußabdruck verringern und sich an der Kreislaufwirtschaft beteiligen. Laudato Si’ von Papst Franziskus betont eindringlich, dass der Schutz der Schöpfung eine zentrale Aufgabe für die Menschheit ist.

2. Soziale Verantwortung und faire Arbeitsbedingungen

Das Gemeinwohl erfordert auch, dass Unternehmen faire Arbeitsbedingungen schaffen. Dies schließt faire Löhne, sichere Arbeitsumgebungen und die Achtung der Menschenrechte ein. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter respektieren und wertschätzen, leisten einen wesentlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Wohlstand. Dies ist auch im Einklang mit der Forderung nach Solidarität, die in der katholischen Soziallehre tief verankert ist.

3. Engagement in lokalen Gemeinschaften

Das Prinzip des Gemeinwohls erfordert, dass Unternehmen aktiv in den Gemeinschaften, in denen sie tätig sind, Verantwortung übernehmen. Dies kann durch die Unterstützung lokaler Projekte, die Förderung von Bildung oder das Engagement in sozialen Initiativen geschehen. Lokales Engagement stärkt nicht nur die Gemeinschaft, sondern verbessert auch das Ansehen und das Vertrauen in das Unternehmen.

4. Ethisches Handeln und Unternehmensführung

Ethisches Verhalten ist ein Schlüssel zur Förderung des Gemeinwohls. Unternehmen, die transparent und ehrlich handeln, fördern das Vertrauen in die Wirtschaft insgesamt. Dies kann durch eine ethische Unternehmensführung erreicht werden, die sich klaren Prinzipien verpflichtet fühlt und diese auch umsetzt. In Centesimus Annus betonte Johannes Paul II., dass das Gemeinwohl nicht durch bloßen Marktmechanismus erreicht werden kann, sondern ethische Entscheidungen erforderlich sind.

Vorteile für Unternehmen, die das Gemeinwohl fördern

Unternehmen, die sich dem Gemeinwohl verschreiben, genießen zahlreiche Vorteile:

Langfristiger wirtschaftlicher Erfolg: Ethische Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften und sozial verantwortlich handeln, sind oft erfolgreicher auf lange Sicht. Kunden und Investoren bevorzugen zunehmend Unternehmen, die ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten.

Verbesserung des Ansehens: Unternehmen, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen, bauen eine starke, positive Reputation auf. Dies fördert nicht nur das Vertrauen der Konsumenten, sondern auch der Mitarbeiter und Geschäftspartner.

Höhere Mitarbeiterbindung: Mitarbeiter arbeiten lieber in Unternehmen, die nicht nur profitorientiert sind, sondern sich auch um das Wohl der Gesellschaft kümmern. Dies erhöht die Loyalität und Zufriedenheit der Mitarbeiter.

Risikominderung: Unternehmen, die ethisch und verantwortungsvoll handeln, sind besser gerüstet, um Reputationsrisiken und regulatorischen Herausforderungen zu begegnen.

Schlussfolgerung

Das Gemeinwohl ist kein bloßes Ideal, sondern ein handlungsorientiertes Prinzip, das Unternehmen dabei unterstützt, ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrzunehmen. In einer Zeit, in der soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz immer wichtiger werden, bietet das Prinzip des Gemeinwohls eine wertvolle Orientierungshilfe. Unternehmen, die sich aktiv für das Gemeinwohl engagieren, sichern sich nicht nur langfristigen Erfolg, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft.

Im nächsten Artikel dieser Serie wird das Prinzip der Solidarität erläutert und aufgezeigt, wie Unternehmen durch Solidarität eine positive und gerechte Unternehmenskultur schaffen können.

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Katholische Soziallehre Teil 3: Ehrfurcht vor dem Leben & tätige Hoffnung

Christliche Umweltethik im Dialog mit Albert Schweitzer

In Zeiten globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel oder der sozialen Ungerechtigkeit stehen viele Menschen vor der Frage: Warum sollten wir Verantwortung übernehmen und uns für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen, wenn letztlich doch Gott die Welt erlöst? Diese Spannung zwischen Hoffnung und Fatalismus findet eine tief verwurzelte Antwort in der katholischen Soziallehre. Besonders beeindruckend ist, wie die Ethik von Albert Schweitzer und seine „Ehrfurcht vor dem Leben“ sich mit der christlichen Lehre verzahnt und gemeinsam ein kraftvolles Bild menschlicher Verantwortung in der Welt zeichnet. Darüber hinaus betonen Päpste wie Benedikt XVI. in Spe Salvi und Johannes Paul II. die zentrale Bedeutung von Christus und der Inkarnation für eine tätige Hoffnung im Diesseits.

Ehrfurcht vor dem Leben und die christliche Verantwortung für die Schöpfung

Albert Schweitzer formulierte seine berühmte Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ als eine universelle Verpflichtung des Menschen, das Leben in all seinen Formen zu schützen und zu fördern. Er sah das Leben als höchsten Wert, den es zu bewahren gilt, unabhängig von seiner äußeren Erscheinung oder seiner Nützlichkeit für den Menschen. Schweitzer fordert eine moralische Haltung, die das Leiden vermindert und das Leben verteidigt, wo immer es möglich ist.

Diese Sichtweise passt auf beeindruckende Weise zu der christlichen Vorstellung der Schöpfungsverantwortung. Die katholische Lehre, insbesondere in der Enzyklika Laudato Si’ von Papst Franziskus, betont ebenfalls den Wert der gesamten Schöpfung. Der Mensch ist als Imago Dei (Ebenbild Gottes) berufen, die Schöpfung zu bewahren, zu pflegen und in ihrer Vielfalt zu schützen. Der Mensch ist nicht der Herrscher über die Schöpfung, sondern ihr Verwalter im Auftrag Gottes. Papst Franziskus schreibt:

„Die Menschheit ist aufgerufen, die Erde zu bebauen und zu hüten” (vgl. Gen 2,15). Diese Arbeit versteht sich als Dienst, der im Einklang mit der Natur stehen muss.“ (Laudato Si’ 95)

Hier sehen wir eine enge Verwandtschaft mit Schweitzers Ehrfurcht vor dem Leben. Beide Ethiken fordern den Menschen auf, das Leben nicht nur als Ressource zu betrachten, sondern als Geschenk, das es zu bewahren und zu fördern gilt. Die Schöpfung hat einen Eigenwert, der respektiert werden muss, unabhängig von ihrer Nützlichkeit für den Menschen.

Schweitzers universale Ethik und christliche Nächstenliebe

Albert Schweitzer forderte in seiner Ethik eine universelle Verantwortung gegenüber allen Lebewesen. Dieser Gedanke, der sich auf das Leben als Ganzes bezieht, steht im Einklang mit der christlichen Nächstenliebe (Caritas). Die katholische Soziallehre betont, dass Nächstenliebe nicht nur zwischenmenschliche Beziehungen umfasst, sondern auch die Beziehung des Menschen zur gesamten Schöpfung.

In Laudato Si’ unterstreicht Papst Franziskus diese Erweiterung der Nächstenliebe:

„Wir müssen anerkennen, dass andere Lebewesen einen Eigenwert vor Gott haben, und durch ihre bloße Existenz verherrlichen sie ihn und geben ihm Ehre.“ (Laudato Si’ 92)

Die christliche Nächstenliebe fordert daher eine Haltung der Achtung gegenüber der gesamten Schöpfung, ähnlich wie Schweitzer die Ehrfurcht vor dem Leben als universalen Imperativ beschreibt. Die Bewahrung des Lebens wird so zu einem Ausdruck tätiger Liebe, die das Wohl der anderen – ob Mensch oder Tier – in den Mittelpunkt stellt.

Tätige Hoffnung: Das Handeln im Angesicht von Gottes Heil

Sowohl Schweitzer als auch die christliche Lehre betonen, dass die Achtung des Lebens und die Bewahrung der Schöpfung keine passiven Haltungen sind, sondern zu aktivem Handeln führen müssen. Die Ehrfurcht vor dem Leben ist für Schweitzer ein Imperativ, der den Menschen dazu verpflichtet, das Leben zu fördern und Leiden zu verringern. Ebenso ist die christliche Hoffnung keine bloße Erwartung auf ein zukünftiges göttliches Eingreifen, sondern eine tätige Hoffnung, die bereits im Hier und Jetzt wirkt.

Diese tätige Hoffnung wird besonders deutlich in der Enzyklika Spe Salvi von Papst Benedikt XVI. Hier betont er, dass christliche Hoffnung immer aktiv ist und den Menschen dazu drängt, an der Verwirklichung des Guten mitzuwirken, auch wenn die endgültige Vollendung in Gottes Händen liegt:

„Die wahre, die große Hoffnung des Menschen, die trotz aller Enttäuschungen durch den Menschen im Kleinen immer noch bleibt, kann nur Gott sein – der Gott, der uns liebt und der uns bis zum Äußersten geliebt hat, jede einzelne und die Menschheit im Ganzen.“ (Spe Salvi 27)

Diese Hoffnung ist keine bloße Vertröstung auf das Jenseits, sondern fordert den Menschen auf, bereits im Diesseits Verantwortung zu übernehmen. Der Glaube an Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, gibt dem Christen die Zuversicht und den Antrieb, aktiv an der Schöpfung mitzuwirken.

Die Inkarnation: Christus als Schlüssel zur tätigen Hoffnung

Ein zentrales Element der christlichen Lehre, das die tätige Hoffnung im Diesseits besonders begründet, ist die Inkarnation – also die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Johannes Paul II. hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die Menschwerdung Gottes zeigt, wie tief Gott selbst in die menschliche Geschichte eingreift. In Christus hat Gott die menschliche Natur angenommen, um die Welt von innen heraus zu erlösen. Damit wird klar: Das Diesseits ist von enormer Bedeutung, und das Handeln in der Welt ist ein Teil des Heilsplans Gottes.

Papst Johannes Paul II. erklärt in seiner Enzyklika Redemptor Hominis:

„Die Inkarnation des Gottessohnes ist das zentrale Ereignis in der Geschichte der Menschheit und des Kosmos. Durch Christus wird alles neu gemacht, und die Menschen sind aufgerufen, an diesem Erlösungswerk teilzuhaben.“ (Redemptor Hominis 8)

Durch die Inkarnation wird die Welt als Schöpfung und Ort der Erlösung aufgewertet. Christus selbst lebte auf dieser Erde und wirkte im Diesseits. Diese Tatsache gibt dem Christen die Gewissheit, dass sein Handeln in der Welt von Bedeutung ist. Die Hoffnung auf Gottes Reich ist also nicht nur auf das Jenseits gerichtet, sondern auch auf die jetzige Zeit, in der der Christ aktiv dazu aufgerufen ist, mit Gottes Hilfe an der Erneuerung der Welt mitzuwirken.

Der Brückenschlag: Schweitzer und die christliche Hoffnung

Albert Schweitzers „Ehrfurcht vor dem Leben“ und die christliche Lehre ergänzen sich in vielerlei Hinsicht. Schweitzer betont die universale Verantwortung gegenüber allem Lebendigen, während die katholische Lehre diese Verantwortung als Teil der menschlichen Berufung als Imago Dei versteht. Beide Ethiken lehnen Fatalismus ab und fordern tätiges Handeln in der Welt.

Besonders bedeutsam ist die theologische Grundlage der christlichen Hoffnung: In Christus, der Mensch wurde und in der Welt wirkte, finden wir die Gewissheit, dass unser Handeln im Diesseits von Gott gewollt und begleitet wird. Papst Benedikt XVI. bringt es in Spe Salvi auf den Punkt: Die Hoffnung, die uns durch Christus geschenkt wurde, befähigt uns, aktiv und verantwortungsvoll in der Welt zu handeln, ohne in Panik oder Resignation zu verfallen.

Albert Schweitzers Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben und die christliche Lehre der tätigen Hoffnung bieten eine kraftvolle Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit. Sie fordern beide den Menschen auf, Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen und aktiv zum Wohl des Lebens beizutragen. Während Schweitzers Ethik das Leben als höchsten Wert erkennt, begründet die christliche Lehre diese Verantwortung durch die Inkarnation und das Erlösungswerk Christi. Gemeinsam betonen sie, dass das Handeln im Diesseits nicht nur möglich, sondern notwendig ist – getragen von der Hoffnung auf Gottes Heil und der Verpflichtung zur Ehrfurcht vor allem Leben.

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Radio Horeb Interview: Der christliche Hoffnungsweg für die Bewahrung der Schöpfung

Vielen Dank an #RadioHoreb für die Einladung in die Sendung „Lebenshilfe – Fokus #Schöpfung“ heute mit dem Thema
„Zwischen Panik und Gleichgültigkeit: Der christliche Hoffnungsweg für die Bewahrung der Schöpfung“ am Fest- und Gedenktag des Heiligen Franziskus von Assisi, dem Schutzpatron der #Tiere, der #Umwelt und der #Ökologie

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